Sie sind hier

Eone BRADLEY. Uhrzeit sehen und fühlen

Autor: Harry Michels am

Der Entwurf einer noch nicht dagewesenen Uhr, mit der die Zeit nicht nur abgelesen sondern auch ertastet werden kann. Gestaltet in einem unkomplizierten Design. Ein fühlbarer Chronograph für Blinde und Sehbehinderte. Smart, stylisch und bezahlbar. Das war das ausgewiesene Ziel, mit dem Hyungsoo Kim 2012 das amerikanische Startup-Unternehmen Eone gründete - und den Zeitmesser Bradley entwickelte.

In der Regel entsteht eine solche Idee nicht von selbst. Meist bedarf es eines konkreten Anstoßes. Für den aus Südkorea stammende Hyungsoo Kim war ein sehgestörter Mitstudent am MIT in Cambridge dieser Auslöser. Während der Vorlesungen konnte der Kommilitone aus naheliegenden Gründen seine mit Sprachausgabe ausgestattete Uhr nicht nutzen und fragte daher hin und wieder Sitznachbar Kim nach der Uhrzeit. Der begann sich ernsthaft Gedanken zu machen, wie dem Studienfreund und anderen sehbehinderten Menschen mit einer wirklich brauchbaren Uhr geholfen werden konnte. Um einer Lösung des Problems näher zu kommen, wandte er sich an zwei Studenten der Rhode Island School of Design. Das junge Team entwickelte eine erste Konzeption mit einem auf Brailleschrift basierenden Display, um diese - nach bescheidenem Feedback - samt Prototyp schnell wieder zu verwerfen. Weitere Ideen und Ansätze folgten, insgesamt 25 Versionen, jede einzelne von sehbehinderten Menschen auf deren Tauglichkeit und Anmutung geprüft, bevor das gewünschte Design endlich gefunden war.

Über einen gemeinsamen Freund lernte Kim unterdessen den ehemaligen Marine-Offizier Brad Snyder kennen. Snyder war 2011 in Afghanistan als Bombenentschärfer tätig gewesen und hatte bei einer improvisierten Sprengung sein Augenlicht verloren. Mit unbedingtem Willen, seinen aktiven Lebensstil nicht aufzugeben, hatte er 2012 - nur ein Jahr nach der Explosion - bei den Schwimmwettbewerben der Paralympics in London eine Silber- und zwei Goldmedaillen gewonnen. Kim war von Snyders Attitüde und seinen außerordentlichen Leistungen tief beeindruckt. Mit Brad(ley) Snyder als Inspiration war ein Name für die innovative tastbare Uhr gefunden - und zugleich auch ein Unternehmenssprecher für Eone.

Brad Snyder

Nun galt es einen guten Start für das Debütprodukt Bradley hinzulegen. Hyungsoo Kim und sein Team von Eone (englisch ausgesprochen: e + one) entschieden sich für eine Finanzierung per Crowdfunding. Mit einer im Juli 2013 über die Internetplattform Kickstarter gestarteten Kampagne hofften sie, 40.000 US Dollar einsammeln zu können. Am Ende markierte Eone eine der erfolgreichsten Kickstarter-Initiativen überhaupt und brachte fast 600.000 US Dollar von 3.861 Förderern zusammen. Weitere umfangreiche Vorbestellungen wurden aufgenommen und das Eone Team durfte erstaunt feststellen, dass nur ein überaus geringer Prozentsatz der Interessenten tatsächlich blind oder sehbehindert war. Zwar hatte man mit dem Konzept der Bradley von vorneherein beabsichtigt, eine modische Uhr nicht nur für Sehbehinderte zu schaffen - dieses breite Interesse hatten die Eone Macher so jedoch nicht erwartet. Zu Recht wirbt das junge Unternehmen heute selbstbewusst: "Designed for Everyone".

Eone-BRADLEY

Eone-BRADLEY

Das geniale Design der Bradley basiert auf der Idee, die Zeit mithilfe zweier Kugeln zu erfühlen. Anstelle von Zeigern lässt ein batteriebetriebenes Quarzuhrwerk die mit Magneten verbundenen Kugeln in eigens geschaffenen Bahnen ihre Runden drehen. Eine auf dem Zifferblatt laufende Kugel verrät die Minuten, die sich seitlich um die Uhr bewegenden Kugel die Stunden. Zur Orientierung dient ein Zifferblatt mit profilierten Strich-Indizes, wobei die volle Stunde mit einem dreieckigen Index hervorgehoben wird und die übrigen Viertelstunden durch etwas längere Striche markiert sind. Sollte sich eine der Kugeln durch Berührung unbeabsichtigt bewegen, genügt schon ein leichtes Schütteln des Handgelenks, um die Uhr wieder auf die korrekte Zeit zurückzusetzen.

Eone-BRADLEY

Aktuell bietet Eone die Bradley in fünf Modellvarianten an. Im Zuge der Kickstarter-Kampagne lancierte das heute in Washington DC ansässige Unternehmen zunächst zwei Versionen. Beiden gemeinsam sind ein 40 Millimeter durchmessendes silbermattes minimalistisches Titan-Gehäuse und das Schweizer Ronda-Quarzuhrwerk. Die sportlichere Bradley Canvas (auch als Bradley Classic bezeichnet) ist in sechs Farbvarianten erhältlich und mit einem Armband aus hochwertigem Leder- und Stoffgewebe ausgestattet. Die elegantere Bradley Mesh dagegen verfügt über ein Edelstahlarmband in Mesh-Optik.

Eone-BRADLEY-CanvasEone-BRADLEY-Canvas

Eone-BRADLEY-Mesh

Eone-BRADLEY-Mesh

Eine dritte - ein Jahr später vorgestellte - Modellvariante erhielt die Bezeichnung Bradley Black. Für dieses Premium-Modell griff das Eone Team neben dem bewährten Quarzwerk auf das Gehäuse aus massivem Titan und ein Armband aus Edelstahlgewebe zurück. Erst die anmutig mattschwarz gebürstete Optik in Verbindung mit den hochglanzpolierten Stundenmarkern schafft den neuen - elegant-lässigen - Look.

Eone-BRADLEY-black

Modellvariante Nummer vier ist seit Mitte 2015 erhältlich. Für die drei verschiedenen Typen der Bradley Compass verwendeten die Macher um Hyungsoo Kim erstmalig kein Titan. Stattdessen ist das Gehäuse aus einer Mischung aus Edelstahl und Aluminium gefertigt und "glänzt" im Gegensatz zu den klassischen Modellen mit einem deutlich helleren Zifferblatt. Außerdem erhielten die hervorgehobenen Indizes eine kontrastreiche Farbtönung: purpurfarben-violett (Bradley Compass Iris), himmelblau-schiefer (Bradley Compass Graphite) oder golden-safrangelb (Bradley Compass Gold). Während Compass Graphite und Compass Gold mit einem graumelierten Canvas-Armband aus der bewährten Stoff- und Lederkombination ausstaffiert wurden, wird die Compass Iris mit dem edleren Mesh-Armband aus Edelstahl angeboten.

Eone-BRADLEY-Compass

Jüngst vorgestellt wurde die (vorerst) neueste Modellvariante. Die elegante Bradley Voyager kombiniert das aktuelle Edelstahl/Aluminium-Gehäuse mit einem hellbraunen Armband aus  echtem italienischem Leder. Weniger hell als das Zifferblatt der Bradley Compass Versionen und weniger matt als das der übrigen Bradley Varianten besitzt das minimalistische Zifferblatt der Bradley Voyager seinen ganz eigenen Charakter. Verantwortlich dafür sind vor allem die dezent spiegelnden Stundenmarker aus gebürstetem Aluminium und der das Ziffernblatt einfassende Ring. Je nach Blickwinkel erscheint der in unterschiedlichsten Graublau-Schattierungen.

Eone-BRADLEY-Voyager

Nicht einmal drei Jahre nach dem Start der Crowdfunding-Kampagne hat die Bradley mit ihrem innovativen modischen Design zahlreiche Anhänger gleichermaßen unter Sehbehinderten und Sehenden erworben und dabei weltweite Aufmerksamkeit erlangt. 2014 wurde die Armbanduhr für den Design of the Year Award des London Design Museum nominiert, 2015 gewann das Eone Team einen der heißbegehrten Red Dot Awards in der Sparte Product Design. Das British Museum in London schließlich adelte den Chronographen durch Aufnahme in seine ständige Sammlung. Mit weiteren Auszeichnungen darf gerechnet werden. Hoffentlich auch mit weiteren pfiffigen und schicken Zeitmessern.

Alle Bilder: Eone
Link: eone-time.com